Nützlinge – Schädlinge und ein schwieriges Grundstück

Ich gärtnere unter erschwerten Bedingungen. Das Grundstück wurde seit dem zweiten Weltkrieg von einer Kohlenhandlung genutzt. Was sich vorher auf diesem Grundstück befand, weiß ich nicht. Die Ausgangsbedingungen sind: keine Gartenerde, sondern eher das, was man als Dreck bezeichnen würde. Dreck im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kohle sieht man etwa 15-20 Zentimeter tief in den Boden hinein. Barfuss laufen bedeutet schwarze Füsse. Sehe ich in einer Gartensendung, wie jemand lässig mit einer Schaufel ein Loch aushebt, kann ich nur neidisch werden. Für jedes Pflanzloch hole ich die Spitzhacke und muss eine undurchdringliche Schicht aus festgebackener Kohle entfernen. Leider zerfällt diese Kohle dann in überwiegend winzigste Stücke, so dass ihr Herausklauben eine zeitaufwendige und mühselige Angelegenheit ist. Ebenfalls ist die Erde mit unendlich vielen Steinen durchsetzt. Das ist sicher auf die Nähe zum Rhein zurückzuführen. Auf den Nachbargrundstücken, die teilweise ungenutzt sind, wurden wohl im Krieg/nach Kriegsende Bombentrichter mit Schutt aufgefüllt und in den Folgejahren befanden sich dort Baulager. Gräbt man dort ein Pflanzloch, befördert man viele Steine und allerlei Müll zutage.
Nun könnte ich ja die oberste Erdschicht abtragen lassen und mit guter Erde auffüllen. Das haben wohl Nachbarn gemacht. Abgesehen von den Kosten finde ich das aber langweilig. Jede Pflanze, die ich setze und die wächst und gedeiht, wächst trotz der Bedingungen und durch meine aktive Unterstützung. Ich bringe Kompost aus und versuche möglichst keine Schädlingsbekämpfung vorzunehmen. Läuse werden schon mal weggespritzt, aber nur an Zierpflanzen im Kübel. Schnecken habe ich erst seit 2 Jahren, die sammel ich ab.
Nun haben wir viele Ameisen und ich bin in Erklärungsnot, warum man diese gewähren lassen sollte. Ich finde, solange sie nicht in unmittelbarer Nähe zum Haus wüten, kann ich sie tolerieren. Mit unmittelbarer Nähe meine ich schon 1-2 Meter, so dass Gefahr bestünde, sie kommen ins Haus oder nisten im/am Haus. Ob das richtig ist, weiß ich aber nicht genau. Einige Hinweise, welchen Nutzen Ameisen haben, findet man hier.
Ebenfalls muss ich darum kämpfen, dass das „Unkraut“ nicht mit Unkrautvernichtungsmittel weggespritzt wird.
Manchmal kommt der Gedanke auf, was nutzt es, wenn ich auf meinen wenigen Quadratmetern für ein natürliches Umfeld sorge und Pflanzen und Tieren ein Zuhause biete. Andererseits glaube ich, die Menschen, die das Heil des Gartens nicht in der Chemiekeule sehen, werden mehr. Dann gibt es meinem Leben Sinn, meinen ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten und nicht zuletzt, bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch andere Menschen beeinflusst, gewollt oder nicht, meine Handlungen und meine Worte beeinflussen.

Über Pekü

Kleine Biotoperkundung meines Umfeldes
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